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"JA zur Husi" trotz Annahme ihrer Volksinitiative bangen Denise Wahlen, GLP und Ursula Longatti,
EVP infolge Sparmassnahmen um die Wiedereinführung der Hauswirtschaftslehre (Husi)
an kantonalen Mittelschulen.
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San 10 will in den Jahren 2011 bis
2014 insgesamt gut 12 Millionen Franken
durch eine Streichung der «Husi»-
Kurse im Kurzgymnasium einsparen.
Das entspricht rund 40 Prozent des gesamten
Sparbeitrags der Mittelschulen.
Fakten: RRB San10, Kommentar zu Einsparungen an Mittelschulen / Hauswirtschaftskursen
Streit um «Husi» beginnt von vorn (NZZ vom 06-10-2010)
Die Initiantinnen von «Ja zur Husi» reagieren auf das Sanierungsprogramm 10 |
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Rüebli-RS
SF DRS Schweiz Aktuell (Sendung vom 26-06-2009)
Die Hauswirtschaftsschule wurde im Kanton Zürich vor fünf Jahren abgeschafft, um Geld zu sparen. Nun aber wird die sogenannte Rüebli-RS wieder eingeführt: Wegen einer erfolgreichen Volksinitiative müssen ab Beginn nächsten Jahres wieder alle Gymnasiasten des Kantons zur dreiwöchigen „Huusi“ antreten. In Flumserberg ging heute der erste Hauswirtschafts-Pilotkurs zu Ende. Corinne Naef hat eine Winterthurer Schulklasse beim Kochlöffel-Schwingen, Nähen und Putzen begleitet.
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Blog aus der «Husi» der Kanti Rychenberg, 8. Juni - 26. Juni 2009
Tagebuch aus der «Husi» der Kanti Freudenberg, 22. Juni - 10. Juli 2009 |
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©Tages Anzeiger vom 20.06.2009
Kochen, putzen, sägen: Mittelschüler lernen haushalten
Vor fünf Jahren wurde die «Husi» abgeschafft, jetzt ist sie wieder da. Als Erste testet eine Gymi-Klasse aus Winterthur den drei- wöchigen Internatskurs.
Von Simone Rau
Flumserberg. - Pünktlich um zwölf Uhr präsentieren die Köche im Speisesaal des Ferienheims Geisswiese das Mittagsmenü: Zanderfilets an Limettensauce, Tofu mit Zucchetti-Würfeln, dazu glasierte Karotten, gedünstete Tomatenwürfel und Mohnreis. Die Mitschüler sitzen an den Tischen - und stürzen auf Kommando zum Buffet. Auch die zwei Lehrerinnen und der Lehrer stellen sich in die Reihe.
Die Klasse 4f der Kanti Rychenberg in Winterthur ist nach fünf Jahren Unterbruch als Erste wieder in einem Hauswirtschaftskurs (siehe Box). Seit knapp zwei Wochen leben die 17 Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 18 Jahren im Internat in den Flumserbergen. Mitten im Grünen und weit weg vom nächsten Dorf lernen sie, wie man kocht, putzt und wäscht. «Die Abgeschiedenheit war schon etwas gewöhnungsbedürftig», sagt Gymnasiastin Lara Colla. Es tue der Klasse aber gut, so aufeinander angewiesen zu sein. «Wenn man so nah aufeinander lebt, rückt man automatisch enger zusammen.»
Viele haben nie zuvor gekocht
Eineinhalb Stunden zuvor in der Küche: Hauswirtschaftslehrerin Nadia Rimann hat das Mittagsmenü an die Tafel geschrieben. Sie fragt die Kochmannschaft: «Wer weiss, was pochieren ist? Wer hat schon mal Gemüse glasiert?» Die meisten schütteln den Kopf oder schauen auf das Blatt, das die Lehrerin zum Thema Fisch verteilt hat. Die Gruppe diskutiert in Hochdeutsch über die unbekannten Kochtechniken, verteilt die verschiedenen Aufträge - dann geht es los. Lynn wäscht Broccoli, Nadine schält Karotten, Eloy schneidet Zwiebeln. Viel Zeit bleibt nicht bis um zwölf. Die Vorkenntnisse der Schüler seien ganz unterschiedlich, sagt die Hauswirtschaftslehrerin: «Manche hatten vor dem Kurs noch nie eine Pfanne in der Hand.»
Derweil näht Andrea Nemes im oberen Stock an einer Kochschürze. Sie habe seit der «Handsgi» in der Primarschule etwas die Übung verloren, sagt sie. Doch viele Dinge kämen ihr wieder in den Sinn, je länger sie sich mit dem Nähen beschäftige. Bea Haslimeier, die Leiterin des Pilotkurses, steht daneben und lächelt: «Wir glauben es selber kaum, wie motiviert die Schüler sind. Das wird sicher nicht mit jeder Klasse so sein.»
Toilettenputzen ist mühsam
Auch bei der Projektarbeit, die jeder Gymnasiast selber ausgewählt hat und während dreier Wochen eigenständig umsetzt, sei ein «richtiges Feuer» zu spüren. Andrea hat sich zusammen mit ihrem Kollegen Eloy zwei T-Shirts gekauft. Diese haben sie auseinandergeschnitten und in neuer Kombination wieder zusammengenäht.
Lara Colla und Ramon Fritschi haben sich für ein Projekt aus dem Themenbereich «Konservieren» entschieden. Bereits abgefüllt stehen Gläser mit selbst gemachter Pestosauce bereit. «Ich war ziemlich skeptisch, bevor ich hierher kam. Bisher konnte ich nicht kochen», sagt Ramon. Jetzt gefalle ihm der Kurs gut - ausser die Ämtli, die auch bei den andern nicht besonders beliebt seien. «Vor allem das Toilettenputzen ist mühsam.»
Neben Putzen, Kochen und Nähen gehört auch Werken zum Programm. Bei Andreas Hafner lernen die Schüler bohren, sägen, schleifen, schrauben und leimen. Am Schluss sollen alle eine Ständerlampe nach Hause nehmen. Larissa Groff hat sich für einen herzförmigen Sockel entschieden, sie ist nicht die Einzige. Lara mit dem Schleifpapier in der Hand fragt den Lehrer: «Ist es fein genug?» Er prüft das Holz - hier ists noch rau. Dann läutet es zum Essen. Innert Minuten haben die Schüler der Musterklasse den Werkraum aufgeräumt - auch das gehört zum Haushalten.
«Husi» nicht neu erfunden
Zürich. - Die hauswirtschaftlichen Kurse für Gymi-Schüler waren im Kanton Zürich 2004 aus Spargründen abgeschafft worden. Drei Jahre später entschied der Kantonsrat, dem Druck einer Volksinitiative nachzugeben und sie wieder einzuführen. Seit zwei Wochen läuft nun ein Pilotkurs.
Viel verändert hat sich an der «Husi» trotz neuem Lehrplan nicht: Der Kurs dauert nach wie vor drei Wochen und wird im Internatsbetrieb durchgeführt. Auch die Fächer bleiben dieselben: Ernährung und Kochen, Werken, Textiles Gestalten sowie Haushaltsmanagement. Neu sind eine Projektarbeit in einem der vier erwähnten Fachbereiche sowie drei Lektionen Bewegung pro Woche.
Bis die «Husi» im ganzen Kanton wieder eingeführt wird, dauert es noch vier Jahre. Weil neu auch die Schüler des Kurzgymnasiums den dreiwöchigen Kurs absolvieren, steigt die Zahl der Kurse auf das Doppelte.
Im nächsten Schuljahr reisen 23 Klassen der Kantonsschulen Rychenberg, Freudenberg, Stadelhofen und Oerlikon ins Internat. Für das Schuljahr 2010/11 sind 57 Klassen geplant, dann 90 und schliesslich 120 Klassen. Der Kanton rechnet mit Kosten von rund 9 Millionen Franken pro Jahr. (sir) |
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Heute Neustart für die «Husi»
15:21, 08.06.09
Die dreiwöchigen «Husi»-Kurse für Zürcher Mittelschüler sind zurück: Heute Montag ist eine Klasse der Winterthurer Kantonsschule Rychenberg nach Flumserberg SG gereist. sda
In Flumserberg werden die 17 Schülerinnen und Schüler drei Wochen lang kochen, werken und nähen
(Der «Landbote» berichtete). Eine zweite Klasse wird am 22. Juni nach Schiers GR aufbrechen.
Die zwei Kurse dienen laut einer Mitteilung des Regierungsrates vom Montag als Pilotkurse.
Nach den Erkenntnissen daraus soll die «Husi» wieder für alle Klassen der Mittelschule eingeführt werden.
Veränderte Inhalte
Das Konzept der dreiwöchigen «Obli»-Kurse sieht allerdings etwas anders aus als vor deren Abschaffung im Jahr 2004:
Das textile Gestalten und das Werken wurden stundenmässig leicht gekürzt. Dafür sollen die Schülerinnen und Schüler während drei Lektionen pro Woche herausfinden, welche Bewegungs- oder Sportart für sie in Frage kommt.
Ziel sei es, die Grundlage für die künftige Work-Life-Balance zu legen, wie Projektleiterin Anny Murpf-Zweifel auf Anfrage erklärte.
40 Stellen geschaffen
Die dreiwöchigen Hauswirtschaftskurse werden ab Januar 2010 in vier Etappen wieder eingeführt. Ab 2013 sollen dann jährlich über 120 Klassen aus 20 Kantonsschulen wieder ins «Obli» gehen. Für die Wiedereinführung der Kurse wurden 40 Vollzeitstellen geschaffen, die alle bereits besetzt sind. |
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Die Hauswirtschaftskurse werden schrittweise wieder eingeführt – Kosten deutlich höher als vorher
Aus Spargründen hatte der Regierungsrat vor fünf Jahren die Hauswirtschaftskurse für Mittelschüler gestrichen. Jetzt werden sie auf vielfachen Wunsch wieder eingeführt – für deutlich mehr Geld.bto. Hauswirtschaftliche Kurse für Mittelschüler sind ein wahrer Segen: Sie verbessern das Ernährungsverhalten der Bevölkerung, reduzieren dadurch das Übergewicht und helfen Gesundheitskosten sparen, optimieren daneben die Hygiene in den Schweizer Haushalten und stärken deren ökologisches Verhalten. Das ist nur ein Auszug aus der Liste der positiven Wirkungen, welche ein Initiativkomitee und die Mehrheit des Zürcher Kantonsrates den dreiwöchigen Kursen zuschreiben. Zum Verfassen dieser Aufzählung hatten sie sich veranlasst gesehen, weil der Regierungsrat die Kurse aus Spargründen auf das Schuljahr 2004/05 gestrichen hatte. Mittelschulen hätten die Aufgabe, begabte Schüler zur Hochschulreife zu führen, hatte dieser argumentiert. Das Wissen über die Zubereitung gesunden Essens und über umweltfreundliches Putzen könnten sich die Mittelschüler auch anderswo beschaffen, beispielsweise in der Familie. Immerhin kostete ein Absolvent dieser sogenannten «Husi» den Kanton bis dahin 3100 Franken.
Doppelte Kosten
2007 wendete der Kantonsrat bekanntlich das Blatt, indem er einer Volksinitiative zur Wiedereinführung der Kurse zustimmte; er baute damit das Angebot aber zugleich aus: Fortan sollten nicht mehr nur die Schülerinnen und Schüler des Langzeitgymnasiums, sondern auch die der Kurzgymnasien die Kurse besuchen.
Nach knapp fünf Jahren Pause sind gestern die 17 ersten Schülerinnen und Schüler der Winterthurer Kantonsschule Rychenberg in die sogenannte «Rüebli-RS» nach Flumserberg eingerückt; in zwei Wochen fährt eine Klasse der Kantonsschule Freudenberg ins bündnerische Schiers. Aus Sicht des Regierungsrates ist der Schuss eindeutig nach hinten losgegangen, kosten die neuen Kurse doch deutlich mehr als vorher. Das liegt zur Hauptsache daran, dass künftig auch die Absolventen der Kurzgymnasien in den Genuss der Kurse kommen, obwohl sie bereits in der Sekundarschule mit der Hauswirtschaft Bekanntschaft gemacht haben. Statt wie bis 2003 ungefähr 60 dreiwöchige Kurse pro Jahr sind es ab dem Schuljahr 2014/15 voraussichtlich 120.
«Husi»-Häuser standen leer
Das kostet. Mit 4,2 Millionen Franken jährlichen Betriebskosten hatte der Regierungsrat für die Wiedereinführung gerechnet. Tatsächlich geht das Mittelschul- und Berufsbildungsamt laut Projektleiterin Anny Murpf jetzt aber von mehr als dem Doppelten aus: es dürften 9 Millionen Franken sein. Dazu kommen die Ausgaben für den Wiederaufbau: Sehr rasch hatte sich der Kanton nach Bekanntgabe des Sparbeschlusses von den zuvor für die Kurse genutzten Liegenschaften getrennt und das Inventar verkauft. Beides muss er jetzt wieder anschaffen, beziehungsweise mieten. Laut Murpf kosten die Aufwendungen für den Wiederaufbau 9 bis 10 Millionen Franken.
Die Suche nach Häusern ist laut Murpf weitgehend abgeschlossen. Zu den schon früher genutzten eigenen Häusern in Affoltern am Albis und Weesen (SG), die in der Zwischenzeit leer standen, nimmt der Kanton eine zuvor ebenfalls schon genutzte Immobilie in Bülach wieder in Betrieb. Dazu kommen Gebäude in Flumserberg (SG) und Valbella (GR). Verhandlungen laufen gemäss Murpf zudem über Liegenschaften in Bösingen (FR), Rabius und Cumbel (GR) sowie Schöpfheim (LU). Darüber hinaus kauft der Kanton Kurse in landwirtschaftlichen Schulen in Schiers und in Arenenberg ein. Die Wiedereinführung der Husi erfolgt schrittweise. Einerseits braucht es laut Murpf Zeit, Liegenschaften bereit- und Personal einzustellen. Das Interesse von Hauswirtschaftslehrerinnen an den hochgerechnet 40 Vollzeitstellen sei aber gross, was für männliche Lehrkräfte leider nicht gelte. Ab dem Schuljahr 2013/14 stünden für alle rund 120 Schulklassen Lehrer und Gebäude bereit.
Die Streichung der Hauswirtschaftskurse dürfte unter dem Strich also nicht als geglücktes Sparprojekt in die Geschichte des Kantons Zürich eingehen. Denn die Bilanz wird weiter getrübt: Der Kanton bot den 2004 entlassenen Lehrkräften einen Sozialplan an. Wie viel Geld das gekostet hat, konnte Murpf am Montag nicht sagen. |
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| Bilder anlässlich der Kantonsratsdebatte vom 02. Juli 2007, Schlussabstimmung
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SchülerInnen und Schüler machen mobil:
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Was manche Politiker überraschen dürfte: Die Jungen sind für die alte «Husi»!

Andreas Streiff, Uster-Nachrichten |
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Bilder anlässlich der Kantonsrats Debatte vom 02. April 2007
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Rezepte fürs Leben
Text: Balz Hosang / Beobachter 6/07
«Der weggesparte Hauswirtschaftsunterricht könnte uns noch teuer zu stehen kommen.»
Balz Hosang |
Fernsehen ist kein Ersatz für Familienleben und Schule. Falls es für diese banale Erkenntnis einen Beweis braucht, lohnt sich ein Blick in die Küche. Dort steht neben Mikrowelle, Steamer, Kochherd und Backofen manchmal auch noch ein Fernsehgerät. Die Kochkunst aber hinkt gewaltig hinter der technischen Aufrüstung her. Mein Kollege Christoph Schilling liess sich durch diesen Widerspruch derart provozieren, dass er mit Nachdruck Raum für eine Titelgeschichte forderte (siehe Artikel zum Thema «Kochen: Generation Mikrowelle»). Sein Befund schlägt auf den Magen: Schweizerinnen und Schweizer kennen sich in der Fernsehküche und den Kochsendungen bald besser aus als am heimischen Herd und im eigenen Rezeptbuch. Direkte Folgen sind zunehmende Fehlernährung sowie riesige Gesundheitskosten. Und so erscheinen die gute alte «Rüebli-RS» und der frühere Hauswirtschaftsunterricht in neuem Licht. Die in der Schule weggesparten Millionen könnten uns noch teuer zu stehen kommen.
Apropos Kochkunst: Über hundert Mal hat Röbi Koller für den Beobachter bei Prominenten in die Kochtöpfe geschaut - und dabei auch einige kulinarische Tiefflieger entlarvt. Jetzt wendet sich Koller neuen (Fernseh-)Projekten zu, bleibt aber weiterhin dem Beobachter verbunden, zum Beispiel beim Prix Courage. Unsere Rubrik «Kochen» wird ausgebaut und startet im nächsten Heft unter der verheissungsvollen Affiche «Geniessen» - selbstverständlich mit Rezept.
Zu Ende geht in diesen Tagen auch die Zusammenarbeit zwischen dem Beobachter und «Quer». Die Sendung wechselt Konzept, Themenprofil, Moderation - ja sogar den Namen. Bleiben wird auch hier eine Zusammenarbeit von Fall zu Fall.
Die vielen Änderungen wirken ansteckend: Auch der Beobachter entwickelt sich weiter. Ab der nächsten Nummer wird unser Heft noch reichhaltiger. Zu den gewohnten Inhalten kommt neu ein fester Familienteil ins Blatt. Mit Rezepten fürs Alltagsleben - lassen Sie sich überraschen und inspirieren. Vielleicht strahlen die Beobachter-Familienimpulse bis in Ihre Küche aus. |
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Generation Mikrowelle
Text: Yvonne Staat, Christoph Schilling / Beobachter 6/07
Bild: Alexander Jaquemet
Die Schweiz verlernt das Kochen. Für die Jugend ist Essen längst Beigemüse - Hauptsache: billig und schnell. Das Rezept gegen die Krise am Herd heisst Kochunterricht. Doch der wird überall gestrichen.
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«Vielen Jungen fehlen elementare Kochkenntnisse», sagt Ursula Longatti. Die gelernte Hauswirtschaftslehrerin unterrichtete jahrelang Gymnasiasten. «Ich übernahm 17-Jährige, die nicht mal eine Salatsauce zubereiten konnten und noch nie einen Salat rüsteten.» Andere haben noch nie eine Pizza zubereitet. Longatti musste Jugendlichen beibringen, dass man die Spaghetti erst ins Wasser gibt, wenn es kocht. «Die Schüler konnten zwar die chemische Formel für jede Fettsäure herunterrattern, hatten aber keine Ahnung, wann man ein Oliven-, wann ein Rapsöl gebraucht.» Unseren Grossmüttern war noch klar, dass man Äpfel und Tomaten nicht in der gleichen Schale lagern darf und warum. Wer weiss das heute noch?
Auch Claudia Wespi, Dozentin für Hauswirtschaft an der Pädagogischen Hochschule Luzern, macht sich Sorgen: «Immer wieder beobachte ich während des Kochunterrichts, dass ein Schüler eine Viertelstunde vor der Spaghettipfanne wartet, bis das Wasser kocht. Es kommt ihm nicht in den Sinn, dass er in der Zwischenzeit abwaschen oder Gemüse rüsten könnte.»
Wer mit Hauswirtschaftslehrerinnen spricht, erhält den Eindruck, da wachse eine Generation heran, deren Kochkünste sich im Bedienen der Mikrowelle erschöpfen. Das ist zwar nicht der Untergang des Abendlandes, doch die älteste Kulturtechnik («Am Anfang war das Feuer») könnte bald nur noch etwas für Spezialisten sein.
«Rüebli-RS» statt teurer Kampagnen
Der Bund informiert die Öffentlichkeit regelmässig darüber, was und wie die Schweizer essen. Das Gesetz verpflichtet ihn dazu. Denn nicht alles, was seine Bürger mampfen, vertilgen und spachteln, ist gesund. Ein Drittel der Krankheitskosten, 16 Milliarden Franken, sind Folge schlechter Ernährung. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) lässt deshalb regelmässig einen ziegelsteindicken «Ernährungsbericht» verfassen. Die BAG-Leute sind gründlich, leuchten in jeden erdenklichen Winkel: Dem Vegetarismus, der Stillförderung und dem Ernährungsverhalten von St. Galler Schulkindern wird ebenso Beachtung geschenkt wie der Mineralstoffzufuhr bei Erwachsenen, dem Eisen, dem Selen, dem Zink, sogar der Omega-3-Fettsäure: Sachen, die man letztmals im Chemieunterricht gehört hat. Aber eines fehlt im Register: das Wort «Kochen». 1’076 Seiten und kein Wort über die Zubereitung der Speisen. Als ob sich eine Omelette von selber in die Pfanne hauen würde.
Eben warnte die Gesundheitsförderung Schweiz mit auffälligen Plakaten, «die Schweiz» werde «immer dicker» (siehe Artikel zum Thema «Prävention: ‹Eine Kampagne muss prägnant sein›»). Diese Kampagne bezahlen wir alle mit unseren Krankenkassenprämien.
Kritiker fordern, mit diesem Geld gescheiter die Hauswirtschaftsschulen zu stärken. «Wir müssen mit der Aufklärung bei den 14- bis 18-Jährigen ansetzen. Und zwar nicht mit nutzlosen Plakatkampagnen, sondern mit praktischem Hauswirtschafts- und Kochunterricht», findet Daniel Nufer. Er war 25 Jahre lang in der Schulleitung der Zürcher Kantonsschule Oerlikon und ist ein «Husi»-Pionier. In seiner Zeit wurde im Kanton Zürich in den achtziger Jahren an der Mittelschule der dreiwöchige «Husi»-Kurs eingeführt, auch bekannt als «Rüebli-RS». 2004 hat der Zürcher Regierungsrat diese Kurse am Langzeitgymnasium ersatzlos gestrichen, der Kanton spart so vier Millionen Franken. «Mit diesen vier Millionen könnten etwa 40 Meter Autobahn gebaut werden. Ich sage dies nicht, weil ich ein Grüner wäre, nein, ich wähle bürgerlich-liberal. Ob man hier am richtigen Ort spart, darf aber bezweifelt werden», kritisiert Nufer.
>> Vollständiger Beobacher-Bericht als Download
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